Zum Hauptinhalt springen
Auf dem Bild ist zu sehen, wie Grafiken auf einem Scanner bereitgelegt werden, um sie zu digitalisieren.
Informationen zum Urheberrecht öffnen

Provenienz­forschung

Herkunft erforschen, Verantwortung übernehmen

Die Frage nach der Herkunft

Woher kommen die Objekte, die sich heute in den Sammlungen des Militärhistorischen Museums befinden? Viele Kunstwerke und Kulturgüter haben eine bewegte Geschichte. Die Provenienzforschung beschäftigt sich mit der Herkunft von Objekten und der Frage, ob sie rechtmäßig in eine Sammlung gelangt sind. In den letzten 25 Jahren hat sich die Provenienzforschung immer mehr zu einem eigenen Feld der Kultur- und Geschichtswissenschaften entwickelt.  

Historische Grundlagen

Die „Washingtoner Erklärung“ (1998) sowie die anschließende „Gemeinsame Erklärung“ (1999) von Bund, Ländern und Kommunen legten den Grundstein für die wachsende Bedeutung der Provenienzforschung. 44 Staaten verpflichteten sich aus moralisch-ethischen Gründen, Kulturgüter zu ermitteln und zurückzugeben, die zur Zeit des Nationalsozialismus 1933–1945 beschlagnahmt worden waren. 

Washingtoner Prinzipien und gemeinsame Erklärung

Beschlagnahmung durch Nationalsozialisten, Sowjets und die DDR

Im Zuge der NS-Verfolgung entzogenes Kulturgut ist jedoch nicht das einzige Anwendungsfeld von Provenienzforschung. Besonders in ostdeutschen Museen kommen oft Enteignungen aus der Zeit der Sowjetischen Besatzungszone 1945–1949 hinzu. Die DDR hat später Kulturgut von Republikflüchtlingen und offiziell Ausreisenden eingezogen und teilweise Privatsammler unter dem Vorwand von konstruierten Steuerverfahren enteignet.

Zum Zweck der Devisengewinnung musste auch das Armeemuseum der DDR mit der staatlich organisierten Kunst- und Antiquitätenhandel GmbH zusammenarbeiten. Auch weiter zurückliegende Zeiten sind relevant, wenn es zum Beispiel um koloniale Kontexte geht. 

Provenienz­forschung am Militär­historischen Museum

Um die Herkunft von Sammlungsobjekten aufzuklären, bedarf es Forschungen zur Geschichte des eigenen Hauses. Ebenso gehört die Recherche nach eigenen Sammlungsbeständen hinzu, die etwa durch Kriegswirren verloren gegangen sind. Im Militärhistorischen Museum liegen die Schwerpunkte der Provenienzforschung zurzeit auf den beiden Bereichen Kunst und Bibliothek.

Im Sammlungsgebiet Kunst unterstützt eine Werkvertragsnehmerin das Museum. Die Bestände der Bibliothek wurden von 2020 bis 2024 durch das Sachgebiet „Auffindung und Restitution von NS-Raubgut und NS-Beutegut“ beim Fachinformationszentrum der Bundeswehr in Bonn gesichtet. Die Aufarbeitung der ermittelten Daten soll bis 2028 abgeschlossen sein.  


Sonder­ausstellung zur Geschichte des Hauses

In einer für das Jahr 2027 geplanten Sonderausstellung zur Hausgeschichte wird dem Thema der Provenienzforschung ein eigener Bereich gewidmet, der die unterschiedlichen Zugänge in die Sammlung dokumentiert und kritisch einordnet.

Mehr zur Geschichte

Geschichte des Hauses