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Das Bild zeigt geöffnete Schubladen im Grafik-Depot darunter farbige Gouachemalereien aus dem Zweiten Weltkrieg von Ernst Vollbehr.
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Sachgebiet

Kunst

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Zwischen Schlachtenbildern, Militärkritik und zeitgenössischen Perspektiven

Fragen an die Kunst

Wie sehen Künstlerinnen und Künstler Krieg und Frieden? Was erzählen Schlachtenbilder über die Zeit, in der sie entstanden sind? Und wie weit darf Kunst bei der Darstellung von Gewalt gehen? Die Kunstsammlung des Militärhistorischen Museums wirft Fragen auf, die uns bis heute beschäftigen. 

Die Sammlung im Überblick

Die Kunstsammlung umfasst rund 45.000 Objekte von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart – darunter Arbeiten von Jacques Callot, Louis Braun, Ernst Ludwig Kirchner, Käthe Kollwitz, Marianne Brandt, Bernhard Heisig, Werner Tübke, Alfred Hrdlicka, Lukas Einsele und Nikita Kadan. Zur Sammlung gehören rund 1.500 Gemälde (einschließlich Glas- und Textilarbeiten), 800 Plastiken, 20.000 Zeichnungen, Aquarelle, Gouachen, Druckgrafiken und Autorenfotografien sowie zahlreiche Kunst- und Massendrucke. Der Bestand an zeitgenössischer Kunst wird kontinuierlich erweitert.

Der überwiegende Teil der Sammlung stammt aus der Zeit ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Sächsische und preußische Militärmalerei, Werke zum Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie Kunst aus der DDR bilden den Schwerpunkt der Sammlung. Besonders hervorzuheben ist der umfangreiche Bestand an Kunst von, für und über die Nationale Volksarmee (NVA) – einzigartig in der deutschen Museumslandschaft. 

Grundstock der Sammlung

Den Ursprung bildet das Jahr 1857: Der junge Leutnant Ludwig Georg Wurmb begann damals, Uniformdarstellungen und Militärporträts der Königlich-Sächsischen Armee zusammenzutragen. Sein „Armeealbum“ wurde später vom Kriegsministerium übernommen und bildet den Grundstock der heutigen Kunstsammlung des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Dresden.  

Bereits in der Zeit des Armeemuseums der DDR wurde die Sammlung über den sächsischen Schwerpunkt hinaus erweitert, etwa durch den Ankauf des reich illustrierten Exerzierreglements von Jacob de Gheyn (1565–1629). Heute werden exemplarisch Werke der gesamten deutschen Militärgeschichte und ihrer internationalen Kontexte gesammelt. Porträts aus unterschiedlichen Epochen ermöglichen, den Wandel soldatischer Identitäten zu untersuchen. 

Thematische Schwerpunkte

Schlachtenbilder

„Es war 9 Uhr morgens, und wir harrten mit einem guten Fernrohre versehen des entscheidenden Augenblicks.“ Mit diesen Worten schilderte der preußische Schlachtenmaler Wilhelm Camphausen 1864 den Sturm auf die Düppeler Schanzen im Deutsch-Dänischen Krieg – aus sicherer Entfernung. Ganz anders Theodor von Götz, Dresdner Maler und Offizier, der selbst in den Kriegen von 1866 und 1870/71 kämpfte.

Im 19. Jahrhundert boomte die Schlachtenmalerei. Historienbilder ließen Schlachten und Ereignisse früherer Zeiten für den Betrachter lebendig werden. Doch auch die Gegenwart wurde zunehmend als geschichtswürdig betrachtet. Von den Malern erwartete man Augenzeugenschaft, genaue Recherchen und Patriotismus. Nach diesen Maßstäben arbeiteten viele Künstler noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein.

Zerstörung, Verwundung und Tod  

Auf vielen Schlachtenbildern sind Tote und Verwundete nur Randfiguren. Doch es gab auch früher Künstler, die das Leid ins Zentrum ihrer Werke stellten. Jacques Callot schuf im Dreißigjährigen Krieg Grafikserien zu den brutalen Auseinandersetzungen zwischen Landsknechten und Bauern. Francisco de Goya widmete einen ganzen Radierzyklus den Leiden der spanischen Bevölkerung im Kampf gegen Napoleon.

Im 20. Jahrhundert führten industrialisierte Massenschlachten, Luftangriffe, der Vernichtungskrieg und der Holocaust zu völlig neuen Ausdrucksformen. Die künstlerische Auseinandersetzung mit den Folgen von Gewalt bildet den Kern der Sammlung.

Militärkritik

Karikaturen, Collagen oder Adbusting können Widersprüche und Missstände aufzeigen. Manche Künstlerinnen und Künstler lehnen Militär grundsätzlich ab, andere spielen mit militärischen Symbolen oder kommentieren augenzwinkernd menschliche Schwächen. Zur Sammlung gehören auch Werke, die sich grundsätzlicher mit Phänomenen von Gewalt, Gleichschaltung oder Grenzüberschreitung beschäftigen.

Kunst und NVA

Die Nationale Volksarmee der DDR (NVA) gab selbst Kunstwerke in Auftrag. Diese sollten zur Erziehung der NVA-Angehörigen genauso beitragen wie zur Vermittlung sozialistisch-militärischer Werte in der Bevölkerung. Das Armeemuseum der DDR sammelte gezielt Werke über die NVA und ihre „revolutionären, humanistischen und fortschrittlichen Traditionen“.

Nach der Wiedervereinigung 1990 kamen zahlreiche Arbeiten aus ehemaligen NVA-Liegenschaften hinzu. Heute wird dieser Bestand durch Arbeiten ergänzt, die offiziellen Positionen zuwiderlaufen und das Spektrum künstlerischer Ausdruckmöglichkeiten erweitern.

Mediengeschichte

Gesammelt werden nicht nur Werke mit hohem Kunstanspruch, sondern auch Propaganda-, Gebrauchs- und Laienkunst. Gemeinsam mit der Sammlung Bildgut erzählt die Kunstsammlung eine Mediengeschichte von Krieg und Gewalt. Welche Bilder machten sich Menschen zu verschiedenen Zeiten von gewaltsamen Konflikten? Welche Bilder hatten sie im Kopf, wenn sie selbst in den Krieg ziehen mussten? Wo liegen die Grenzen der Darstellbarkeit? Was Maler des 19. Jahrhunderts unter „Realismus“ verstanden, unterscheidet sich beispielsweise stark von dem, was wir heute im Zeitalter von Fotografie, Film und neuen Medien erwarten. 

Fotografie und Film

Informationen zu Fotografien und Filmen finden sie im Bereich des Sachgebiets Bildgut.

Zeitgenössische Kunst  

2011 eröffnete das neu konzipierte, durch den Architekten Daniel Libeskind erweiterte Militärhistorische Museum. Seitdem sind Installationen und Interventionen ein fester Bestandteil des multiperspektivischen Ansatzes des Museums. Wichtige Werke konnten für die Sammlung gesichert werden, zum Beispiel Nikita Kadans „Hostomel“ zum Ukraine-Krieg oder „One Step Beyond“ von Lukas Einsele über Landminen und ihre Opfer. Jens Umbachs Werkgruppe Afghanistan richtet den Fokus auf die Bundeswehr. Temporäre Projekte wie der eingestrickte Panzer des Louisen Kombi Nahts sorgen für Aufsehen und stellen Fragen an Gegenwart und Zukunft. 


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