Thematische Schwerpunkte
Schlachtenbilder
„Es war 9 Uhr morgens, und wir harrten mit einem guten Fernrohre versehen des entscheidenden Augenblicks.“ Mit diesen Worten schilderte der preußische Schlachtenmaler Wilhelm Camphausen 1864 den Sturm auf die Düppeler Schanzen im Deutsch-Dänischen Krieg – aus sicherer Entfernung. Ganz anders Theodor von Götz, Dresdner Maler und Offizier, der selbst in den Kriegen von 1866 und 1870/71 kämpfte.
Im 19. Jahrhundert boomte die Schlachtenmalerei. Historienbilder ließen Schlachten und Ereignisse früherer Zeiten für den Betrachter lebendig werden. Doch auch die Gegenwart wurde zunehmend als geschichtswürdig betrachtet. Von den Malern erwartete man Augenzeugenschaft, genaue Recherchen und Patriotismus. Nach diesen Maßstäben arbeiteten viele Künstler noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein.
Zerstörung, Verwundung und Tod
Auf vielen Schlachtenbildern sind Tote und Verwundete nur Randfiguren. Doch es gab auch früher Künstler, die das Leid ins Zentrum ihrer Werke stellten. Jacques Callot schuf im Dreißigjährigen Krieg Grafikserien zu den brutalen Auseinandersetzungen zwischen Landsknechten und Bauern. Francisco de Goya widmete einen ganzen Radierzyklus den Leiden der spanischen Bevölkerung im Kampf gegen Napoleon.
Im 20. Jahrhundert führten industrialisierte Massenschlachten, Luftangriffe, der Vernichtungskrieg und der Holocaust zu völlig neuen Ausdrucksformen. Die künstlerische Auseinandersetzung mit den Folgen von Gewalt bildet den Kern der Sammlung.
Militärkritik
Karikaturen, Collagen oder Adbusting können Widersprüche und Missstände aufzeigen. Manche Künstlerinnen und Künstler lehnen Militär grundsätzlich ab, andere spielen mit militärischen Symbolen oder kommentieren augenzwinkernd menschliche Schwächen. Zur Sammlung gehören auch Werke, die sich grundsätzlicher mit Phänomenen von Gewalt, Gleichschaltung oder Grenzüberschreitung beschäftigen.
Kunst und NVA
Die Nationale Volksarmee der DDR (NVA) gab selbst Kunstwerke in Auftrag. Diese sollten zur Erziehung der NVA-Angehörigen genauso beitragen wie zur Vermittlung sozialistisch-militärischer Werte in der Bevölkerung. Das Armeemuseum der DDR sammelte gezielt Werke über die NVA und ihre „revolutionären, humanistischen und fortschrittlichen Traditionen“.
Nach der Wiedervereinigung 1990 kamen zahlreiche Arbeiten aus ehemaligen NVA-Liegenschaften hinzu. Heute wird dieser Bestand durch Arbeiten ergänzt, die offiziellen Positionen zuwiderlaufen und das Spektrum künstlerischer Ausdruckmöglichkeiten erweitern.
Mediengeschichte
Gesammelt werden nicht nur Werke mit hohem Kunstanspruch, sondern auch Propaganda-, Gebrauchs- und Laienkunst. Gemeinsam mit der Sammlung Bildgut erzählt die Kunstsammlung eine Mediengeschichte von Krieg und Gewalt. Welche Bilder machten sich Menschen zu verschiedenen Zeiten von gewaltsamen Konflikten? Welche Bilder hatten sie im Kopf, wenn sie selbst in den Krieg ziehen mussten? Wo liegen die Grenzen der Darstellbarkeit? Was Maler des 19. Jahrhunderts unter „Realismus“ verstanden, unterscheidet sich beispielsweise stark von dem, was wir heute im Zeitalter von Fotografie, Film und neuen Medien erwarten.